Es sind nur Spanier unterwegs.Bzw. nur Leute mit spanischen Nummernschildern. Denn nach ungefähr 20 Minuten voller Absagen, erfolgt eine Reaktion auf Englisch und kurz drauf eine Zusage. Meine erste Mitfahrt, direkt bis vor Valencia.
Unterwegs mit Pavel und seiner Mutter. Er lebt bereits ein paar Jahre in Spanien, seine Mutter ist zu Besuch. Er hat sie gerade abgeholt, nachdem sie vier Tage in einem Bus unterwegs war, aus ihrer Heimat kommend: Belarus. Durch den Krieg gibt es keine entsprechenden Flüge von dort.
Beide, vor allem Pavel, ist sehr interessiert an meinen Lebensumständen und wie ich zu diesen gekommen bin. Es ist eher selten, dass mich Personen so interessiert und auch interessant fragen, in die Tiefe gehen. Während es oft einen ermüdenden Aspekt hat, dass ich beim Reisen per Anhalter immer wieder dieselbe Geschichte erzähle, weil die Fragen oft nicht sehr weit gehen, ist an dieser Art des Interviews anregend, dass ich mal wieder zum Reflektieren gebracht werde. Was habe ich noch in Erinnerung und wie lege ich sie momentan aus? Welche Aspekte sind mir gerade präsent? Stimmt die Geschichte so noch, die ich anderen und mir selber erzähle?
Eine meiner Antworten war, dass ich meinen Lebensstil als Experiment sehe, mit offenem Ende ausprobiere. Zwar mit der Absicht ein einfaches, angenehmes Leben zu führen, aber ohne konkrete Messgrößen. Grundlagenforschung :) Es ging auch darum, was andere von mir lernen können oder daraus mitnehmen und da geht es mir weiterhin nicht darum, dass mein Vorgehen in der Art und Weise genau kopiert wird, sondern der dahinterliegende Gedanke verfolgt wird: Bin ich zufrieden? Stellt mich meine Leben zufrieden? Was kann ich machen/ausprobieren, um mehr Freude und Leichtigkeit und Wohlbefinden zu erlangen? Ich weiß, dass ich das alles dennoch aus einer sehr privilegierten Position heraus stelle, will jedoch vermitteln, dass mir das für mich selber gelungen ist.
Etwas bedauerlich war die Akustik. Ich saß ganz hinten im Van, da die mittleren Sitze ausgebaut waren. Ich sprach nach vorne, mit Blickkontakt über den Mittelspiegel, und war offenbar gut zu verstehen. Die Fahrgeräusche erschwerten es mir aber, die nach vorne gerichteten Stimmen meiner Gesprächspartner zu verstehen. Zudem war der Gurt so blockiert, dass ich mich nicht vorlehnen konnte.
Pavel war auch der Erste, der soweit fragte, dass ich ihm von der Existenz dieser Webseite erzählte und ihm abschließend auf seine Bitte hin die Adresse gab. Ich bin gespannt, ob er mitliest und sich vielleicht meldet. Wir haben jeder ein Erinnerungsfoto gemacht, das ich vielleicht einstellen werde, wenn ich auch noch Benutzerkonten hier eingerichtet habe und kontrollieren kann, wer was sehen kann. Bis dahin versuche ich Informationen über andere gering zu halten.
Ich ließ mich an der letzten Raststätte absetzen, die noch auf seinem Weg lag. Er fuhr nach Valencia und ich wollte wie gehabt auf der Autobahn bleiben.